Krankenversicherungen - Pflegezusatzversicherung

 

Pflegeleistungen

Die Einteilung der Pflegestufen

 

Es ist unklug, das Leben nach dem Zeitbegriff abzumessen. Vielleicht sind die Monate, die wir noch zu leben haben, wichtiger als alle durchlebten Jahre.“

Leo N. Tolstoi (1828-1910)

 

Das Sozialgesetzbuch XI § 14 legt fest, dass Pflegebedürftigkeit vorliegt, wenn ein Mensch auf absehbare Zeit nicht in der Lage ist, ohne Hilfe die Verrichtungen des alltäglichen Lebens allein zu bewältigen und deshalb auf Mitmenschen angewiesen ist. Die Hilfebedürftigkeit ist in drei Pflegestufen eingeteilt (§ 15). Kriterium für die Unterteilung ist der täglich erforderliche Zeitaufwand für die Pflege.

Natürlich werden Leistungen nur dem gewährt, der in der Pflegepflichtversicherung versichert ist. Für Versicherte, die nicht seit 1995 (bzw. danach geborene Kinder: ab Geburt) versichert waren (z. B. wegen eines Auslandsaufenthalts) gilt eine zweijährige Wartezeit, bevor Leistungen in Anspruch genommen werden können. Wer also seine deutsche Pflegepflichtversicherung z. B. bei einem längeren Auslandsaufenthalt aufgibt, sollte diese Karenzzeit unbedingt im Auge behalten. Sinnvoller ist es in so einem Fall, die Pflegepflichtversicherung beizubehalten.

Die Leistungen der Pflegekassen in den einzelnen Pflegestufen richtet sich nach der Art der Pflege: Häusliche Pflege (zu Hause durch Angehörige), ambulanter Pflege (durch Pflegedienste, die den Pflegebedürftigen zu Hause aufsuchen und betreuen) oder der stationären Pflege (in Pflegeheimen) werden unterschiedlich bezuschusst.

 

Hier Zahlen, die ab 2012 gelten, wobei zu beachten ist, dass für die Zukunft weitere dynamische Anpassungen geplant sind:

 

  Pflegestufe 1 Pflegestufe 2 Pflegestufe 3

Pflege

zu Hause

Pflegedienst

 

450,00 € 1.100,00 €

1.550,00 €

Härtefall

1.918,00 €

Pflege

zu Hause

Pflegedienst

 

235,00 € 440,00 € 700,00 €

Pflege

zu Hause

Pflegedienst

 

1.023,00 € 1.279,00 €

1.550,00 €

Härtefall

1.918,00 €

 

Diese Leistungen decken bei weitem nicht den Bedarf; sie können allenfalls als Grundabsicherung angesehen werden.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, diese Basisabsicherung zu erweitern, werden wir später noch untersuchen.

 

Um aber erst einmal die „Grundsicherung“ zu erhalten, muss die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden. Wie sieht das konkret aus? Laut Gesetz ist derjenige pflegebedürftig, der auf Grund von Krankheit, Funktionseinschränkungen, Behinderung oder Alter nicht nur kurzfristig auf pflegerische Hilfe zur Aufrechterhaltung elementarer Lebensfunktionen angewiesen ist (vgl. www.Pflegestufeninfo.de).

Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit muss ein Antrag bei der Pflegepflichtversicherung (über die soziale oder private Krankenversicherung) gestellt werden. Dieser Antrag kann formlos, sogar einfach per Telefon erfolgen. Die Pflegepflichtversicherung vereinbart dann einen Termin, zu dem ein Gutachter (bei gesetzlich Krankenversicherten der MDK = medizinscher Dienst der Krankenkassen, bei privat Krankenversicherten begutachtet in der Regel Medicproof) bei Ihnen zu Hause oder im Heim erscheint, der die Pflegebedürftigkeit an Hand bestimmter Kriterien, die in den Richtlinien zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzes (BRi) zusammengefasst sind, festgestellt.

 

Es muss Hilfebedarf vorliegen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Hauswirtschaft.

 

Zur Einstufung des Hilfebedarfs werden bestimmte Verrichtungen des täglichen Lebens nach Zeitkorridoren erfasst.

Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass eine „Ganzkörperwäsche“ mit ca. 20-25 Minuten angesetzt wird. Für die Zahnpflege und/oder Prothesenreinigung stehen 3-5 Minuten zur Verfügung; für die mundgerechte Zubereitung einer Hauptmahlzeit inklusive Getränk werden 2-3 Minuten berechnet; für das vollständige Ankleiden stehen 8-10 Minuten zur Verfügung.

Für den hauswirtschaftlichen Hilfebedarf gibt es ebenfalls Mindestzeiten, die erfüllt werden müssen: In der Pflegestufe I müssen mindestens 45 Minuten für die Zubereitung der Speisen, des Einkaufen, das Reinigen der Wohnung, Heizen, Waschen der Wäsche und sonstige hauswirtschaftliche Verrichtungen nachgewiesen werden- nachweisen muss der Pflegebedürftige, leisten müssen die Helfer, professionell oder ehrenamtlich; berechnet wird der Bedarf.

 

 

Hier ein Grobraster zur Einteilung in die Pflegestufen:

 

→ Pflegestufe I = erheblich pflegebedürftige Personen, die bei Körperpflege, Ernährung oder Mobilität mindestens einmal täglich Hilfe benötigen (im Tagesschnitt mindestens 90 Minuten).

 

Ein Beispiel: Frau Muster lebt allein im eigenen Haushalt. Strümpfe und Hosen kann sie nicht mehr allein anziehen. Das Waschen von Intimbereich und Unterkörper kann sie ebenfalls nicht mehr aus eigener Kraft leisten. Lediglich das Ausziehen am Abend klappt ohne fremde Hilfe, wenn auch langsam und mühsam. Ihre Tochter versorgt sie dreimal wöchentlich mit vorgekochtem Essen. Sie hilft Ihrer Mutter beim wöchentlichen Bad, besorgt die Einkäufe und erledigt die Hausarbeiten. Frau Muster dürfte damit die Voraussetzungen für die Pflegestufe I erfüllt haben.

 

 

→ Pflegestufe II = schwer pflegebedürftige Personen, die mindestens dreimal zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe bedürfen (im Tagesschnitt mindestens drei Stunden).

 

Beispiel: Herr Abc lebt mit seiner Frau in der gemeinsamen Wohnung. Er benötigt Anleitung und Hilfe beim Waschen, Kämmen, Rasieren, Zahnpflege und An- und Auskleiden. Mundgerecht vorbereitetes Essen kann Herr Abc noch allein zu sich nehmen. Die hauswirtschaftliche Versorgung liegt insgesamt in den Händen der Ehefrau, da Herr Abc dazu nicht in der Lage ist.

 

Da in diesem Fall pro Tag mindestens drei Stunden Hilfe nötig sind, wovon zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen, dürfte Herr Abc die Pflegestufe II erhalten.

 

 

→ Pflegestufe III = Schwerstbedürftige Personen, die täglich rund um die Uhr – auch nachts – Hilfe benötigen (im Tagesschnitt mindestens fünf Stunden).

 

Beispiel: Frau Musterle kann sich werden allein an- noch ausziehen. Auch tägliche Hygiene wie Waschen, Zahnpflege und Kämmen muss durch andere Personen erfolgen. Ebenso muss mundgerechtes Essen hingestellt werden. Die Toilettengänge können nicht mehr allein bewältigt werden; sie sind auch in der Nacht im Schnitt ein bis zweimal erforderlich. Allenfalls mühsam und sehr langsam können noch kleine Wege in der Wohnung zurückgelegt werden. Da täglich mindestens fünf Stunden Hilfe geleistet werden muss, davon mindestens vier Stunden für die Grundpflege, dürfte hier die Pflegestufe III anerkannt werden.

 

 

Zusammenfassung Pflegestufeneinteilung

 

Bedarf

 

Pflegestufe 1 Pflegestufe 2 Pflegestufe 3

Körperpflege, Ernägrung

oder Mobilität

 

Einmal täglich drei Mal täglich rund um die Uhr

Hauswirtschaftliche Versorgung

 

mehrfach in der Woche mehrfach in der Woche mehrfach in der Woche

Grundpflege/ hauswirtschaftliche

Versorgung

 

mindestens 1,5 Std. mindestens 3 Std. mindestens 5 Std.

Sachleistung

 

450,00 € 1.100,00 € 1.550,00 €

Pflegegeld

 

235,00 € 440,00 € 700,00 €

 

 

Zur Vorsorge gibt es mehrere Möglichkeiten:

 

Gegen das Ansparen in Form von „Vermögenswerten“, wie zum Beispiel Sparguthaben, Fonds- oder Aktienbesitz, ja sogar eine Immobilie wäre denkbar, spricht die Tatsache, dass niemand weiß, wie lange er pflegebedürftig sein wird. Bei langer Pflegebedürftigkeit könnten die Mittel knapp werden. Andererseits würden sich bei hohem Angesparten und kurzer Pflegebedürftigkeit die Erben freuen. Insgesamt dürfte es eher unrealistisch sein, dass sich der Durchschnittsrentner mal so eben ca. 200.000 Euro für seinen Pflegefall zurücklegen kann, pro Person, versteht sich. Das Risiko der Langlebigkeit lässt sich effektiver durch eine Versicherung absichern. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Versicherungslösungen: Die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung (Pflege-Bahr), die Pflegetagegeldversicherung die Pflegekostenversicherung und die Pflegerentenversicherung.

 

Die staatlich geförderte ergänzende Pflegezusatzversicherung (Pflege-Bahr) wurde am 01.01.2013 mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) eingeführt. Es sieht eine staatliche Förderung von jährlich 60,00 € für die private Pflegevorsorge vor. Die Verträge müssen mit einem Monatsbeitrag von mindestens 15,00 € bespart werden. In Pflegestufe 3 muss ein Monats-Pflegegeld von mindestens 600,00 € gewährleistet sein. Die Gesundheitsverhältnisse des Antragstellers werden nicht überprüft. Die Leistungspflicht des Versicherers beginnt erst nach Ablauf einer Wartezeit von maximal 60 Monaten.

Wie tragfähig diese staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung tatsächlich ausfallen wird, ist schon jetzt sehr umstritten. Eine kostendeckende Absicherung sieht anders aus. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung: Das Problem wird ernst genommen und die eigene Verantwortung staatlich unterstützt.

 

Die Pflegetagegeldversicherung stellt dem Versicherten im Pflegefall die versicherte Summe zur freien Verfügung. Der Versicherte entscheidet, wie er das Geld verwenden will. Das gibt immer dann Sinn, wenn Angehörige in die Pflege mit einbezogen werden. In der Regel ist das Tagegeld auf 60,00 €bis 80,00 € begrenzt (monatlich 1.800,00 € bzw. 2.400,00 €) in Pflegestufe III. In den Pflegestufen I und II gibt es einen anteiligen Prozentsatz davon (z. B. 30 % in der Pflegestufe I und 50 % in der Pflegestufe II). Desweiteren wird nach häuslicher und stationärer Pflege unterschieden: In der stationären Pflege gibt es oft schon ab Pflegestufe I das ganze Tagegeld und nicht nur einen prozentualen Anteil.

Aber Achtung: Leider gibt es auch noch Versicherer, die in der Pflegestufe I gar keine Leistungen erbringen, eine sinnvolle Absicherung sieht anders aus!

 

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Pflegekostenversicherung: Hier werden Leistungen nur für nachgewiesene Pflegekosten erbracht, entweder indem der Versicherer einen bestimmten Prozentsatz der Leistungen der Pflegeversicherung quasi „obendrauf“ legt oder indem er prozentual einen Anteil der Restkosten übernimmt. Beide Male deckt der Versicherungsschutz nur die medizinisch indizierten Kosten, der Versicherte kann also nicht frei über das Geld verfügen, sondern er muss nachweisen, dass das Geld für Pflegeleistungen gemäß den Vorgaben der Pflegeversicherung verwendet wird. Das heißt, Pflegekosten müssen anhand von Rechnungen über medizinisch indizierte Leistungen nachgewiesen werden (zum Beispiel durch Belege des Pflegedienstes, des Heimes etc.).

 

Die bisher vorgestellten Versicherungslösungen sind nach der Art der Krankenversicherung konzipiert. Daneben bieten die Lebensversicherer eine Pflege-Renten-Versicherung an: Der Versicherer bietet ebenfalls eine bestimmte Leistung in den einzelnen Pflegestufen an, die

bei berechtigtem Anspruch lebenslang gezahlt wird. Die Verwendung der Pflegerente ist dem Versicherten überlassen. Die Beiträge bleiben – wie in allen Lebens- und Rentenversicherungen – konstant. Der finanzielle Aufwand ist bei der Pflege-Renten-Versicherung besser zu übersehen, ob die zugesagte Pflegerente wirklich ausreichend sein wird, zählt zu den Risiken, die sich der Versicherte zurechnen lassen muss.

 

Der Markt für private Pflegeversicherungen ist ein junger Markt. Hier wird sich zukünftig noch einiges tun, hoffentlich zum Wohle der Versicherten. An deren Wohl hat zumindest das Finanzamt schon einmal gedacht und den nach dem 31.12.1957 Geborenen 184,00€ pro Jahr Sonderausgabenabzug für eine private zusätzliche Pflegeversicherung zuerkannt. Zudem bestehen weitere Möglichkeiten, die Steuerlast bei der Angehörigenpflege zu reduzieren. Ein Steuerberater gibt gerne dazu Auskunft.

 

Quelle: Signal Iduna

 

 

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